Willkommen zurück! Heute gibts wieder ein kleines Schmankerl für Geschichts- und Circusinteressierte. Nachdem wir beim letzten Mal die Begründung des modernen Circus in London thematisiert haben, wollen wir uns heute dem Circus des 19. Jahrhundert befassen!
Im 19. Jahrhundert erfreuten sich Circusse großer Beliebtheit und waren eine bedeutende Form der Unterhaltung. Die Aufführungen zogen große Menschenmengen an und wurden durch eine Vielzahl von Attraktionen bereichert. Zu den Highlights gehörten Zauberer, Gewichtheber, Clowns und Akrobaten, die in engen, hautfarbenen Kostümen, sogenannten Fleshlings, auftraten. Besonders die Kunst des Reitens war zentral, und die Circusleute wurden oft als „englische Reiter“ bezeichnet, da der Circus seinen Ursprung in der Pferdedressur hatte – das haben wir ja beim letzten Mal schon gelernt!
Die ersten Circusvorstellungen fanden in provisorischen Schaubuden, in Gebäuden oder im Freien statt. Im 19. Jahrhundert tauchten WanderCircusse wie der „Schwimmende RheinCircus“, der auf einem Schiff beherbergt war, auf. Ein traditionsreicher Circus aus Deutschland war der Circus Lorch. In Paris war der „Cirque Olympique“ eine bekannte Circusinstitution. Der Circus Rosai, ein WanderCircus der Familie Rosai, unterhielt das Publikum mit beeindruckenden Artisten, Dompteuren und Clowns.
Der britische Circus erlebte unter der Leitung von Andrew Ducrow, einem begnadeten Circusartisten, eine neue Blütezeit. Ducrow inszenierte beeindruckende Reiterdramen mit dramatischen Effekten, die das Publikum faszinierten. Geboren in eine Circusfamilie, erlangte Ducrow als Kunstreiter und Akrobat große Berühmtheit. Seine legendäre Nummer „Die fliegende Garderobe“ wurde auch in späteren Jahren immer wieder aufgeführt.
Circusse waren im 19. Jahrhundert so populär, dass sie nicht nur in Circuszelten stattfanden, sondern auch in vielen Theatern, wo Circusnummern wie Jonglieren und Luftakrobatik zu finden waren. Dank der Eisenbahn konnten Circusse im 19. Jahrhundert mit beeindruckender Mobilität reisen, und große Circusse zogen mit zwei oder drei Zugladungen durch Europa und Amerika. Der amerikanische Circusbesitzer Richard Sands erlangte Berühmtheit, als er 1842 mit seinem „Sand’s American Circus“ nach England kam. Sands gilt als Erfinder des Circuszeltes, das fortan von vielen Circussen übernommen wurde.
Die Circusse wuchsen und innovierten stetig. Charlie Keith, ein berühmter Clown und Circusbesitzer, baute 1892 das erste transportable Circusgebäude, das den WanderCircus revolutionierte. In den 1870er Jahren kündigten größere Circusse ihre Ankunft in einer Stadt oft mit einer prachtvollen Parade an, die Menschenmengen anlockte. Der Circusunternehmer Lord George Sanger war berühmt für seine spektakulären Circusprozessionen, die das Stadtbild prägten.
Circusse waren nicht nur eine Unterhaltungsform, sondern auch ein Geschäft, das großen finanziellen Erfolg versprach. Während einige Circusunternehmer wie George Sanger große Vermögen machten, hatten andere mit den harten Bedingungen des Circuslebens zu kämpfen. Doch trotz der Herausforderungen war der Circus im 19. Jahrhundert ein faszinierendes und bedeutendes gesellschaftliches Ereignis.
So langsam schafft sich ein Bild vorm inneren Auge, das mit den heutigen Circussen vergleichbar ist!
Hier könnt ihr Euch Bilder von damals anschauen:
https://www.gettyimages.de/fotos/victorian-circus
Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Circus#/media/Datei:Barnum_&_Bailey_clowns_and_geese2.jpg

